Workshop 36

Rituale als kulturelle Ressource

In diesem Workshop soll die Relevanz von Ritualen und Ritualtheorie zu Diskursen um Authentizität und Originalität wieder aufgegriffen, und in den Zusammenhang neuer Strömungen der Vermarktung der eigenen Kultur gestellt werden. Konzepte wie Kulturerbe, Identität und Nation sollen im Zusammenhang mit globalen Einflüssen neu verortet und kritisch hinterfragt werden.

Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf den Strategien verschiedener kultureller Akteure in die Politik der Revitalisierung gelegt werden. Wer entscheidet wann und warum, welches Ritual oder welches Ritualelement sich zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort zur Eigenvermarktung besonders eignet? In diesem Kontext sind diese Anstrengungen der Revitalisierung und Vermarktung eben nicht nur als Strategien zu sehen, um Orte und Identitäten für sich zu veranschlagen und zu definieren, sondern auch als Handlungen durch welche die Akteure versuchen, aktiv alternative Modernitäten zu schaffen. Indem eine brauchbare Vergangenheit für eine bestimmte Gruppe geschaffen und festgelegt wird, können bestimmte Interessen durchgesetzt und soziales, kulturelles sowie ökonomisches Kapital in Bewegung gesetzt werden.

Gerade durch die erhöhte Mobilität von Ideen, Gütern, Bildern und Menschen in der Globalisierung des 21. Jahrhunderts wurde „Kultur“ zu einem Mittel des Distinktion im Bourdieuschen Sinne. Das heißt, die Vermarktung der eigenen Kultur kann genauso zur Strategie der Klassenzugehörigkeit werden, wie zur Abgrenzung gegenüber einem dominanten Nationalstaat oder zur Hervorhebung der eigenen Identität als besonders schützenswerte Minderheit. Rituale, ritualisierte Performanzen und andere rituell informierte performative Ereignisse legen dabei oft den Grundstein für das, was später als die Vergangenheit einer bestimmten Gruppe, als das Kulturerbe und die eigene kulturelle Identität definiert und umkämpft wird. Rituale müssen so als eine höchst wirkungsvolle Möglichkeit angesehen werden, um Zugang zu Ressourcen zu erlangen und diese für sich zu beanspruchen.


Karin Polit
Abteilung Ethnologie; Südasien Institut; Universität Heidelberg; INF 330
69120 Heidelberg / Germany
Tel: + 49 (0) 6221 - 544908
Fax: + 49 (0) 6221 – 548898
Email: kpolit@sai.uni-heidelberg.de

Termin / Raum

Freitag, 02.10.200, 15.00 bis 16.45 und 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 2.731 (Nebengebäude)

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Karin Polit (Abteilung Ethnologie, Universität Heidelberg): Wenn Rituale zum Kulturerbe werden: die Politik der Kultur in Uttarakhand, Indien

Eva Ambos (Cluster of Excellence "Asia and Europe", Universität Heidelberg):  “Religion on Stage": Transformierte Heilrituale als kulturelle Ressource in Sri Lanka

Anna Meiser (Institut für Ethnologie,Ludwig-Maximilians-Universität München): Plurale Konstruktionen von Indigenität - Indigenisiertes Christentum im Amazonasgebiet und seine Formen der Aneignung 

Joachim Görlich ( Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung Halle): Konstituierung und Aneignung von Tradition und Modernität: das Kalam Kulturfestival, Papua-Neuguinea

Joachim Otto Habeck (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung Halle): Ethno-Kultur in Russland. Performative Einheit und Vielfalt

Franz Graf: Tradition ist Medizin: Lernen und Weitergabe von therapeutischen Praktiken in der mexikanischen Heilkunde