Workshop 35

Kontakt- und Bruchzonen in Landschaften des Mittelmeerraums

Als Auftaktveranstaltung für die neu zu gründende Regionalgruppe „Mittelmeerraum“ wollen wir Forschungen diskutieren, die sich mit Kontakt- und Bruchzonen zwischen geographischen und sozialen Räumen im Mittelmeerraum beschäftigen. Der Blick auf die vielfältigen Austauschprozesse und Kulturdynamiken zwischen Ethnien, Religionen, Kulturen und Regionen soll den topos einer „Einheit in Vielfalt“ (Horden and Purcell 2000) mediterraner Landschaften erhellen und Konstruktionen des Eigenen und Fremden in ihren „Bruchzonen“ nachzeichnen. Die historisch sehr spezifischen Ausprägungen sozialer, religiöser und politischer Organisation in den kleinkammrigen Landschaften des Mittelmeerraums waren immer schon von Auseinandersetzungen mit dem Anderen, Fremden und im topographischen Sinne Ab-seitigen gekennzeichnet. In den gegenwärtig zunehmenden Konflikten zwischen Anrainerstaaten an den nördlichen und südlichen Rändern und innerhalb der sich stetig wandelnden Landschaften des Mittelmeerraums kommen Strategien kultureller Beharrung und Wiedererfindung wie Praktiken der Aneignung und Anverwandlung zum Tragen. Neue Heiligen- und Märtyrerkulte spielen dabei genauso eine Rolle wie fundamentalistische Konversionen, lokale und regionale Patronagenetzwerke, der ökonomische Wettstreit um Produktions- und Konsummittel, Medienlandschaften oder touristische Erholungsangebote, wie sie beispielsweise spezifisch für religiöse Juden, Christen oder Muslime geschaffen werden.

Welchen Ver-Ortungen und Topographien kommt in diesen Entwicklungen besondere Bedeutung zu? Welche Rolle spielen Praktiken der Anverwandlung, Nachahmung und des Bannens im Zuge von Migration und Globalisierung bzw. ihrer Behinderung? Inwiefern erhellen mittelmeerische Bezüge und Vergleiche die kulturellen Praxen und ihre ethnologische Analyse? Diese und andere Fragen zu Brüchen und Verbindungen zwischen ökologischen, sozialen und religiösen Landschaften des Mittelmeerraums und ihren lokalen Organisations- und Wirtschaftsformen sollen auf dem Workshop behandelt werden.

Eingeladen sind Vorträge von ca. 20 Min. Länge sowohl zu theoretischen Fragen als auch zu konkreten Fallbeispielen. Interessierte wenden sich bitte mit Vortragstitel und einem Abstract von 100 – 300 Worten Länge an die Organisatoren.

Kontakt: michaela.schaeuble@ethnologie.uni-halle.de, zillinger@fk615.uni-siegen.de

 

Termin / Raum

Freitag, 02.10.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr und 17.15 bis 19.15 Uhr / Raum 311 (Hauptgebäude)

Bitte beachten: Der Workshop endet erst um 19.15 Uhr. Im Anschluss findet die Gründungsversammlung der AG Mittelmeerraum statt. Nach dieser steht nurmehr eine kurze Pause bis zur Mitgliederversammlung der DGV zur Verfügung.

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Teil I: Ethnographien entlang Kontakt- und Bruchzonen in Landschaften des Mittelmeerraums

15.00 Barbara Peveling (Universität Tübingen, EHESS Paris): Den Bruch verhandeln: Rituale im Exil als Reserven des Kontakts

15.30 Gebhard Fartacek (Österreichische Akademie der Wissenschaften): Heilige Orte und ethnische Heterogenität in Westsyrien

16.00 Ferdaouss Adda (Philipps-Universität Marburg): Oral tradierte Erzählungen in Marokko: Verortung eines Literaturgenres in Anbetracht eines sozio-kulturellen Wandels

16.30 Stéphane Voell (Philipps-Universität Marburg): Rechtstheater und Rechtspraxis: Traditionelles Recht in Albanien und Georgien

 

Teil II: Kontakt- und Bruchzonen des Mittelmeerraums als Gegenstand ethnologischer Forschung: eine Neubewertung

17.30 Christian Giordano (Universität Fribourg): Überlegungen zum Ehrbegriff in der Mittelmeerethnologie

18.10 Thomas Hauschild (Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg): Koreferat zu Giordano: Ehre als Bündelung körperlicher, sozialer und räumlicher Reserven

18.30 Perspektiven für die zeitgenössische Mittelmeerraumforschung: Roundtable-Diskussion mit Christian Giordano, Dieter Haller (Universität Bochum), Thomas Hauschild, Gisela Welz (Goethe-Universität Frankfurt) und Lale Yalcin-Heckmann (MPI für ethnologische Forschung, Halle).

19.15 Dieter Haller (Ruhr Universität Bochum): Zur Einrichtung des ersten deutschen Regionalforschungszentrums zum Mittelmeerraum an der Ruhr Universität Bochum

Im Anschluss daran wird die Gründungsversammlung der Regionalgruppe Mittelmeerraum stattfinden. Für eine kleine Stärkung wird - angesichts der direkt folgenden Mitgliederversammlung der DGV - gesorgt.

Zum Gründungsaufruf