Workshop 31
Ethische Aspekte der Kulturökologie. Konkurrierende Wertsetzungen im Umgang mit ‚Natur‘
AG Ethik
Die kreative Aneignung globaler Güter und Technologien steht im Zentrum ethnologischer Globalisierungsdebatten. Weit weniger Beachtung findet hingegen der Zusammenstoß unterschiedlicher und oftmals widersprüchlicher ethischer Traditionen und Wertvorstellungen in einer global vernetzten Praxis. Dies ist umso bedauerlicher als es sich hier um die normativen Brüche und Grenzen einer Globalisierung handelt, die sich nicht nur durch mediale und ökonomische Vernetzungen und kreative Aneignungen von Gütern auszeichnet, sondern die ebenso von ethisch motivierten Grenzziehungen, lokalen Widerständen und Wertkonflikten geprägt ist. Mit diesen soll sich der geplante Workshop aus einer im weiteren Sinn kulturökologischen Perspektive befassen. Zur Debatte steht hier das westlich geprägte Natur- und Menschenbild und sein Korrelat: eine strikt anthropozentrische Ethik. Ein Kernproblem transkultureller Ethik erwächst dort, wo anthropozentrische Handlungsnormen mit ethischen Verpflichtungen kollidieren, die nicht nur den Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen oder gar Naturressourcen als handlungsfähige Wesen sozialer Interaktion konzipieren. Die daraus erwachsenden Konflikte zeigen die Unvereinbarkeit unterschiedlicher Wertsetzungen und spiegeln sich heute etwa im Kampf um indigene Landrechte, aber auch im Konflikt zwischen kulturspezifischen Vorstellungen von Ökologie und globalen Normen des Naturschutzes.
Der Workshop möchte – jenseits der Dichotomie von ‚traditionell‘ und ‚modern‘ – untersuchen, in welchem Umfang, und auf welcher Grundlage, lokale Modelle einer ‚inspirierten‘ Natur ein normatives Gegengewicht zu eurozentrischen Konzepten von Ethik, Natur und Ökologie bilden können und welche kreativen Widerstandspotentiale oder Konflikte daraus erwachsen.
Von Interesse sind dabei theoretische Analysen der kulturspezifischen Definition von ‚Natur‘ und Ethik ebenso wie ethnographische Forschungen.
PD Dr. Annette Hornbacher
Kontaktadresse: Annette.Hornbacher@web.de
Termin / Raum
Mittwoch, 30.09.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr und 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 731 (Nebengebäude)
Vorträge
Prof. Dr. Hermann Amborn (München): Erfahrung und Wertsetzung im Umgang mit Energieressourcen (Beispiele aus Afrika)
PD Dr. Josef Drexler (München): Das „Säen von Macht“. Kosmovision zwischen politischer Ökologie und Lebenspraxis
Dr. Annette Hornbacher (Heidelberg): Ethik zwischen ‚anthropozentrischer` und ‚kosmozentrischer` Verantwortung
Julia Krug M.A. (München): Lokale Konzepte von Wasser im Andenraum Perus
Anja Wagner MA (Heidelberg): Ist der Mensch doch Teil von Natur? Ein Blick auf Indien
Jens Zickgraf (München): Neoromantik ohne Gegenstand? Aspekte der Aneignung von Natur im neuen Umweltbewusstsein westlicher Industriegesellschaften