Workshop 30
Ethnologie und Kognitionswissenschaften im Dialog
AG Kognitive Ethnologie
Ebenso wie die Ethnologie allgemein war die Kognitive Ethnologie stets ein interdisziplinäres Unterfangen, das vielfach profitiert hat von Anregungen aus anderen Fächern. Auch umgekehrt gab und gibt sie wichtige Impulse. Zur «kognitiven Wende» in den Sozialwissenschaften beispielsweise hat sie einen entscheidenden Beitrag geleistet, und im interdisziplinären Gebäude der Kognitionswissenschaften war sie anfangs eine der tragenden Säulen.
In den letzten Jahren jedoch scheint sich die Kognitive Ethnologie von den übrigen Kognitiven Wissenschaften zunehmend zu entfremden. Bei der wichtigsten kognitionswissenschaftlichen Tagung (der CogSci) ist die Ethnologie inzwischen weit unterrepräsentiert und musste beim letztjährigen Jubiläumssymposium «The past 30 years and the next 30 years of cognitive sciences» sogar durch einen Psychologen vertreten werden. Dabei wird die Bedeutung von Kultur für Kognition - und damit auch der Kognitiven Ethnologie für die Kognitiven Wissenschaften allgemein - außerhalb der Ethnologie immer dringlicher erlebt, und die Expertise der Kognitive Ethnologie ist gefragter als je zuvor.
Dieser Workshop soll dazu beitragen, einer für beide Seiten unvorteilhaften Entfremdung gegenzusteuern und die Kognitive Ethnologie fächerübergreifend wieder stärker zu vernetzen. Wir sind überzeugt, dass die Kognitive Ethnologie sich diesem Dialog öffnen sollte - nicht nur, weil sie mit ihren Perspektiven und Erkenntnissen von den übrigen Disziplinen gebraucht wird, sondern auch, weil sie etwas zu sagen hat. Ein stärkeres Engagement der Kognitiven Ethnologie und kooperative Anstrengungen wären für alle Beteiligten von unschätzbarem Wert. Welche Möglichkeiten es gibt, die Kommunikation und den Austausch zwischen der Kognitiven Ethnologie und den übrigen Kognitiven Wissenschaften wiederzubeleben, und welche Chancen dies beiden Seiten bieten würde, soll in den Beiträgen zu diesem Workshop diskutiert werden.
Anmeldungen mit Vortragstitel und einem Abstract von 150 Wörter bitte bis zum 31.5.2009 an
PD Dr. Andrea Bender
Institut für Psychologie
"Cognition - Emotion - Communication"
Universität Freiburg
D-79085 Freiburg
bender@psychologie.uni-freiburg.de
Termin / Raum
Freitag, 02.10.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr und 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 0.254 (Hauptgebäude)
Vorträge inkl. Abstracts als pdf
Andrea Bender (Institut für Psychologie, Universität Freiburg): Die Ethnologie - eine tragende Säule im Gebäude der Kognitionswissenschaften?
Christoph Antweiler (Universität Bonn): Wissenssysteme, Kognition und Sozialität: Für eine Kognitionsethnologie des "ganzen Menschen" am Beispiel lokalen Performanzwissens
Geneviève Duggan (National University of Singapore): Cognitive processes in a non-literate society (Savu, eastern Indonesia)
Bettina Beer (Universiät Luzern): Verwandtschaft in der Kognitiven Ethnologie
Christian Prager (Universität Bonn): Die kognitionswissenschaftliche Erforschung von Religion
Sieghard Beller (Institut für Psychologie, Universität Freiburg): Kognitive Ethnologie und Psychologie: Synergien nutzen
Joachim Funke (Psychologisches Institut, Universität Heidelberg): Kooperation zwischen Ethnologen und Psychologen: Optionen, Probleme, Visionen
Birgitt Röttger-Rössler (FU Berlin): [Diskutantin]