Workshop 25
Visuelle Aneignungen
AG Visuelle Anthropologie
Audiovisuelle Medien, allen voran so transportable Techniken wie die Fotografie, haben von Beginn an eine rasante globale Verbreitung erfahren und eignen sich besonders, um unterschiedliche Aspekte des Konzepts der "kulturellen Aneignung" nachzuzeichnen. Selbst wenn die technischen Apparaturen der Bild- und Tonaufzeichnung häufig unverändert bleiben, weisen die Anwendungsbereiche und die Sinnzuschreibungen des Bildschaffens eine große Bandbreite auf. Neben den Untersuchungen zum Akt des Bildschaffens stehen auch die Produkte dieser Medien, die idealerweise als ethnologische Quelle verfügbar sind, im Zentrum des Interesses.
Im Workshop soll dem Thema der kulturellen Aneignung aus einer weit gefassten visuell-anthropologischen Perspektive begegnet werden. Es sollen sowohl Phänomene der "Anverwandlung" visueller Medien, ihrer Techniken und ihrer Produkte, in unterschiedlichen kulturellen Kontexten als auch die mediale "Bemächtigung" des ethnologischen Gegenstands thematisiert und reflektiert werden. Darüberhinaus sind Beiträge erwünscht, die sich mit der Frage befassen, welche Prozesse kultureller Aneignung sich auf besondere Weise in audiovisuellen Medien ausdrücken. Sind signifikante Wandlungen visueller Systeme durch die unterschiedlichen Spielarten kultureller Aneignung nachzuzeichnen, besonders vor dem Hintergrund zunehmender Vernetzung und der Beschleunigung der elektronischen Kommunikationswege?
Neben Beiträgen zu Einzelfallstudien erhoffen wir uns auch eine Diskussion der Grenzen des Konzepts der kulturellen Aneignung in der Visuellen Anthropologie. Nicht jede Nutzung der technischen Apparate der Bild- und Tonaufzeichnung und Verbreitung schließt auch die Aneignung der zugrunde liegenden visuellen Systeme ein. Die langjährige Debatte zum "indigenous filmmaking" möge hier als Beispiel dienen. Wann erscheint es sinnvoll, eher nach der Kreativität in künstlerischen Ausdrucksweisen und kulturellen Produkten zu fragen, um nicht Gefahr zu laufen, unabhängige kulturelle Entwicklungen zu negieren und dadurch einmal mehr die Sichtweise der einen Globalkultur im Gegensatz zu kultureller Diversität zu beschwören?
Prof. Dr. Frank Heidemann, Universität München (verantwortlich)
Paul Hempel, M.A., Universität München
Dr. Margrit Prussat, Universität Bayreuth
Themenvorschläge (max. 3000 Zeichen) inklusive geplantem Medieneinsatz bitte bis zum 31.05.2009 an: mprussat@yahoo.de
oder an:
Dr. Margrit Prussat
Universität Bayreuth
DEVA
95440 Bayreuth
Termin/ Raum
Freitag, 2.10.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr und 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 411 (Hauptgebäude)
Vorträge inkl. Abstracts als pdf
Teil 1:
Georg Materna: Reflexiv-praktische Medienaneignung als Forschungsmethode in der Ethnologie
Valerie Hänsch: Video-Dokumentation von sozialpolitischen Krisen - und zu einem "Public Anthropologist" werden?
Beate Engelbrecht: Totenfeste, Tourismus und Television. Die Toraja (Sulawesi, Indonesien) im Fokus
Teil 2:
Martin Gruber u. Michaela Schäuble: Der Interview-Film als Exponat im Völkerkunde-Museum?
Uwe Skoda: Royalty and Representation. The ruling chiefs of Bonai and their photographs
Thomas Fillitz: Globale Bildflüsse, Aneignung und kulturelle Diversität: Dak'Art
Urte Undine Frömming: Ethnographic Machinimia. Kulturelle Aneignungen virtueller Räume