Workshop 20

Afroatlantische Allianzen: Transnationale Einsprüche und Aneignungen in Geschichte und Gegenwart

RG Afroamerika

In den Debatten der Afroamerikaforschung, die sich mit den Sklavennachkommen in der Neuen Welt beschäftigt und mit den Kulturen, die auf diese zurückverweisen, lässt sich ein deterritorialisierter Kulturbegriff ausmachen, der heute wieder Aktualität erlangt: Er erlaubt es, in neuer Weise sowohl die longue durée der Globalisierung als auch glokale Wechselwirkungen der Gegenwart aufzugreifen. Dies entspricht dem jüngsten Trend in den Sozialwissenschaften, die Diversität globaler Modernen in gegenseitiger Verflechtung zu betrachten. Allerdings scheinen damit zugleich die klassischen area studies und eindimensionale Regionalausrichtungen in Frage gestellt, da die Anwendung regionaler Expertise jenseits geographischer Zuordnung paradox erscheint.

Das diesjährige Oberthema der DGV Tagung wollen wir nutzen, um diesen scheinbaren Widerspruch ins Zentrum unserer Reflexion zu rücken. Dabei plädieren wir dafür, auf der Basis historischer Parallelen, wie beispielsweise die interkontinentalen Dimensionen der afrikanischen Zwangsmigration, die transatlantischen Folgen von Plantagenökonomien und die Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheit auf der Basis von Klassen- und ‚Rassen’-Diskursen, die transkulturelle Vergleichbarkeit ermöglichen. Anstatt es jedoch, wie bisher, dabei bewenden zu lassen, die Perspektive ausschließlich auf afrolateinamerikanische Gesellschaften zu richten, freuen wir uns nun auch über Beiträge, die sich anderen atlantischen Küstengebieten zuwenden, wie der westafrikanischen Guineaküste oder der einen oder anderen afrikanischen Diaspora in Europa. Es geht uns dabei um die Kontinuität des transatlantischen „live dialogue“ (J. Lorand Matory), der die Dynamiken der afrikanischen Diaspora in unterschiedlichen Lebensbereichen – beispielsweise in religiösen und politischen Bewegungen, Rechtsformen, transkultureller sozialer Praxis, Geistestraditionen, Musikrichtungen oder kulinarischen Moden – identifizierbar macht.

Die zentralen Oberbegriffe der diesjährigen DGV-Tagung – kulturelle Aneignungen: Anverwandlung, Anpassung, Camouflage – bieten sich an, transkulturelle Austauschformen neu zu reflektieren. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und inwieweit diese sinnvolle Ergänzungen oder Erweiterungen zu den klassischen Konzepten der Afroamerikaforschung (wie beispielsweise Synkretismus, Kreolisierung, Hybridisierung, Diaspora oder Transnationalismus) darstellen.

Vorschläge für Vorträge sind an die beiden Sprecherinnen der Regionalgruppe zu richten:

Dr. Heike Drotbohm, Heike.drotbohm@ethno.uni-freiburg.de
Dr. Lioba Rossbach de Olmos, rossbach@staff.uni-marburg.de

Zu den Inhalten der Regionalgruppe: http://www.dgv-net.de/rg_afroamerika.html

 

Invited guest speaker

Stephan Palmié, University of Chicago. "Afro-Atlantic Modernities and Traditions: Discovery, Invention, Appropriation"

 

Termin/ Raum

Mittwoch, 30.09.09, 15.00 bis 16.45 Uhr und 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 254 (Hauptgebäude)

Donnerstag, 01.10.09, 15.00 bis 16.45 Uhr / Raum 254 (Hauptgebäude)

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Mittwoch, 30. September

Heike Drotbohm & Lioba Rossbach de Olmos: einleitende Worte

Stephan Palmié: Afro-Atlantic Modernities and Traditions: Discovery, Invention, Appropriation

Ingrid Kummels: Latin Music und die Repräsentation von 'Rasse' im New York der 1940er Jahre

Christoph Kohl: Afro-europäisches Kulturerbe in Guinea-Bissau und Prozesse postkolonialer Nationsbildung

Hanna Klien: Hip-Hop in Havanna – Selektive Inkorporation und Transformation afroamerikanischer Musik im Widerstand

Pause

Jacqueline Knörr: Out of hiding? Strategies of empowering the past in the reconstruction of Krio identity 

Heidi Pichler: Artefakte, Erinnerung und Geschichte. Ein Beitrag zur Ikonographie und Hagiographie afro-kubanischer Religionen 

Claudia Rauhut: Transatlantische Entwürfe von ‚Yoruba’ Tradition innerhalb der Santería in Kuba 

Angelina Pollak-Eltz: Die Santeria Cubana in Venezuela 

 

Donnerstag, 01. Oktober

Lioba Rossbach de Olmos: Von der schönen Lau zu Olokuns Tiefgründigkeit: Der Blaubeurer Blautopf als Gegenstand diskontinuierlicher symbolischer Eingliederungen

Daniela Risafi de Pontes: Die Aguda und ihre Nachfahren in der Republik Benin

Maria Cipolletti: Im äußersten Osten der Insel: Verwandlungen und Besonderheiten in der religiösen Praxis afrokubanischer Religionen

Christiane Pantke: Transnationale Beziehungen zwischen Bahia und Berlin am Beispiel der afrobrasiliansichen Religion Candomblé

 Pause

Mitgliederversammlung der RG Afroamerika