Workshop 14

Minima Ethnologia oder: Höchste Zeit für einen Kanon?

AG Hochschul- und Studienfragen

Wieder einmal sieht sich die Ethnologie als Disziplin vor neue Herausforderungen gestellt: Der cultural turn hat den Alleinvertretungsanspruch der Ethnologie bezüglich „Kultur“ ins Wanken gebracht. Die Existenz vieler Institute bzw. Studiengänge mit nur einer Professur wirft die Frage auf, wie sich in diesem Umfeld Ethnologie sinnvoll unterrichten läßt. Die Umstellung auf Bachelor- bzw. Master-Studiengänge verlangt eine Konzentration auf das „Wesentliche“. Schließlich macht es der zunehmende Trend zu interdisziplinärer Forschung notwendig, gleichermaßen Alleinstellungsmerkmale der Ethnologie wie Anknüpfungspunkte an andere Disziplinen zu definieren.

Höchste Zeit also, sich auf die Stärken des Faches zu besinnen! Vor diesem Hintergrund möchten wir eine innerfachliche Debatte anregen, die sich mit der Frage befaßt, wie sich ein ethnologisches Selbstverständnis angesichts der genannten Herausforderungen aufrechterhalten läßt, genauer, wie wir Ethnologie unter den veränderten Bedingungen zukünftig lehren wollen.

Dabei geht es weniger um eine fundamentalistische Rückbesinnung zum vermeintlich Eigentlichen der Ethnologie als vielmehr um eine entspannte, durchaus auch spielerische Selbstbefragung nach der idealen Einführung (-svorlesung) bzw. dem jeweils persönlichen Kanon. Dabei soll gerade nicht der Anspruch erhoben werden, allgemeinverbindliche Richtlinien zu erstellen, vielmehr möchten wir eine Diskussion anstoßen, die unserer Meinung nach dringend geführt werden sollte. In diesem Sinne erbitten wir Beiträge, die sich mit folgenden Fragestellungen befassen:

  1. Was gehört zu den Essentials einer Minima Ethnologia? Sind es die Kenntnis einer Region, die Methode der Feldforschung, die Methode des Kulturvergleichs, der Anspruch des Holismus, eine avancierte Kulturtheorie, die Positionierung des Faches im Spannungsfeld Universalismus – Partikularismus, die Maxime des Kulturrelativismus, oder ...?
  2. Welches sind die Leitthemen einer sowohl zeitgenössischen als auch zukunftsweisenden Ethnologie, die interdisziplinär anschlußfähig ist, ohne ihre fachliche Identität aufzugeben? Gehören dazu Globalisierung bzw. Lokalisierung, Phänomene der Migration, Praktiken der kulturellen Aneignung, die Vorstellung von der Einheit der Menschheit, das Thema Gerechtigkeit, Konflikte und Konfliktlösungen, Pluralistische Gesellschaften, Gemeinsamkeiten, auf denen kulturelle Diversität und Diversifizierung beruht?

Wir wünschen uns Vorträge, die anhand einer konkreten „Aufgabe“ exemplarisch Essentials und Leitthemen darlegen. Denkbare Beispiele sind (a) der Veranstaltungsplan einer Einführungs-Vorlesung in die Ethnologie; (b) Konzept oder Inhaltsverzeichnis einer „Einführung in die Ethnologie“ bzw. (c) einer „Geschichte der Ethnologie“; (d) ein Wikipedia-Eintrag; (e) die Vorstellung und Begründung eines ethnologischen Kanons (beispielsweise die zehn wichtigsten deutschsprachigen Werke der letzten fünfundzwanzig Jahre, oder der Ethnologie ganz generell).

Kontakt:

Prof. Dr. Andreas Ackermann
Kommisarischer Leiter der AG Hochschule
Institut für Kulturwissenschaft
Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz
aackermann@uni-koblenz.de

 

Termin / Raum

Mittwoch, 30.09.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr / Raum 2.701 (Nebengebäude)

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Georg Pfeffer: Das Fach im Laufe und im Geist der Zeit

Christoph Antweiler: Humanwissenschaft Ethnologie. Für die Wieder-Aneignung anthropologischer Themen