Workshop 05

Mimesis – Mimikry – Camouflage: mediale Praktiken zwischen Kultur(en) und Natur

AG Medienethnologie

Schon immer haben Menschen sich mit den Kräften und Medien auseinandergesetzt, die ihre Lebenswelten beeinflussen, sie verändern und strukturieren. Traditionelle Praxen der Anverwandlung und Nachahmung, des Aneignens, Zähmens und Bannens wurden seit jeher in immer neuen Auseinandersetzungen mit dem Fremden fruchtbar gemacht und mit eigenen Bedeutungen versehen. Die digitalen Umbrüche des gegenwärtigen Globalisierungsschubs, die Proliferation der Bilder und Feindbilder und ihre unkontrollierbare Zirkulation sowie die (angebliche) Retribalisierung des Politischen verleihen diesen Praktiken ungeahnte neue Dynamik. Wie verstehen Ethnologie und andere Kulturwissenschaften diese altbekannten, in neue politische Idiome gekleideten Auseinandersetzungen um Kunst, Macht und Ohnmacht der Imitation? Wie lässt sich dabei das Verhältnis von Adaptionswillen und Widerständigkeit, von Harmonie und Feindseligkeit, von Lust, Furcht und Aggression, von spielerischer Überschreitung, ritualisierter Gewalt und Trophäenjagd bestimmen? Welche medialen Praktiken und Artefakte kommen in diesen Prozessen zum Tragen? Wie werden über ihre Aus- und Aufführung (post-)moderne Identitäten verhandelt und Kollektive konstruiert? Welche Bedeutung erlangen sie schließlich in ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung zwischen den verschiedenen Disziplinen?

Während ethnologische Forschungen der letzte Jahre verstärkt eine Heterogenisierung von Konsumgewohnheiten, von ökonomischen, religiösen und medialen Alltagspraktiken thematisiert haben, sollen im Workshop der AG Medienethnologie die Übergänge und Brüche zwischen translokalen, globalen und lokalen Lebenswelten in medienanthropologischer Perspektive thematisiert werden. Dieser Workshop führt Diskussionen weiter, die Mitglieder und Gäste der AG Medienethnologie während des zweitägigen Workshops „Gesture and Color“ mit Klaus-Peter Köpping und Michael Taussig im Februar 2008 in Bremen begonnen haben. Dabei sollen grundsätzliche Fragen der Imitation, Täuschung, Tarnung und Überschreitung aus medienethnologischem Blickwinkel diskutiert und analytisch fruchtbar gemacht werden: Was sind Mimesis, Mimikry und Camouflage in medienanthropologischer Perspektive? Welche Bedeutungen verhandeln diese, an der Schnittstelle von “Kultur(en)” und “Natur” angesiedelten Aneignungen des Fremden, des Anderen, des Unerklärlichen und Unheimlichen?

Eingeladen sind Vorträge von ca. 30 Min. Länge sowohl zu theoretischen Fragen als auch zu konkreten Fallbeispielen. Interessierte wenden sich bitte mit Vortragstitel und einem Abstract von nicht mehr als 100 Worten Länge an die Organisatoren.

Organisation:

Cora Bender (Universität Bremen), Thomas Reinhardt (Universität Köln), Martin Zillinger (Universität Siegen)
Kontakt: cbender@uni-bremen.de, thomas.reinhardt@uni-koeln.de, zillinger@fk615.uni-siegen.de

 

Termin / Raum

Mittwoch, 30.09.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr und 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 411 (Hauptgebäude)

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Klaus-Peter Köpping (Heidelberg/Berlin): Contamination and the Abduction of Agency as Forms of Subversion of Hegemony: The films of Jean Rouch and Ousmane Sembene

Ehler Voss (Leipzig): Der Mensch als Medium. Technik und Taktik bei medialen Heilerinnen und Heilern in Deutschland

Anja Dreschke (Köln): Der hunnische Blick: Zur Aneignung ‚fremder’ Kulturen bei den Kölner Stämmen

Katrien Pype (Leuven): Trucage and the Invisible: Discursive and Visual Articulations of the Pentecostalist Worldview in Kinshasa

Stefanie Kiwi Menrath (London/ Oldenburg): The Muscial Chameleon

Alexander Schwinghammer (London/Frankfurt): Veiling the Truth - Appropriating the Image: Exploring the creative Act of Coverage

Beatrix Hauser (Halle): Schuhewerfen oder Effigienverbrennung? Thesen zur Gestaltung und Interpretation von politischen Inszenierungen