Workshop 03

Praxis Ethnologie

AG Ethnologische Bildung

Dem gesellschaftlichen Wandel, der sich durch den Zuzug von Millionen von Migranten vollzogen hat, muss auch die ethnologische Wissenschaft Rechnung tragen. Ihre Aufgabe besteht nicht länger ausschließlich darin, die Fremden in der Fremde zu studieren, sondern auch direkt vor Ort wissenschaftlich und praktisch tätig zu werden, denn die Fremden sind längst Teil der eigenen Gesellschaft geworden.

In außeruniversitären Berufsfeldern sind ethnologische Kenntnisse zunehmend gefragt. Sowohl öffentliche wie private Arbeitgeber haben erkannt, dass Expertise erforderlich ist, wenn das Miteinander in einer kulturell heterogenen Gesellschaft wie der deutschen, die sich seit kurzem auch offiziell als Einwanderungsgesellschaft tituliert, gelingen soll. Ob in Migrantenorganisationen oder im Gesundheitswesen, in Schule und Erwachsenenbildung oder in der Kulturarbeit, in großen Wirtschaftsunternehmen oder in den Medien: Für Ethnologinnen und Ethnologen eröffnen sich derzeit viele neue Berufsperspektiven.

Das Studium der Ethnologie bereitet die Studierenden jedoch nur bedingt auf ihre bevorstehenden Aufgaben vor, da die Vermittlung wissenschaftlicher Qualifikationen im Vordergrund steht. Nach wie vor wird die Praxis der Ethnologie vor allem als praktische wissenschaftliche Arbeit in Form von Feldforschungspraktika konzipiert. Die neuen BA-Studiengänge erfordern jedoch explizit die Einrichtung eines berufsvorbereitenden Moduls. Dafür sind neue Konzepte zu entwickeln, um eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis zu schlagen und die kontinuierliche Rückkoppelung beider Bereiche zu gewährleisten.

Im Workshop „Praxis Ethnologie“ soll es um die Frage gehen, wie und unter welchen Voraussetzungen die Ethnologie als Wissenschaft diesen Anforderungen gerecht werden kann und welche Erfahrungen mit der Praxis bisher gemacht worden sind. Der Workshop soll eine Plattform für den Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden, Wissenschaftlern und Praktikern bieten. Aufgerufen sind alle diejenigen, die sich mit praxisbezogener ethnologischer Arbeit als Bestandteil der universitären Lehre befassen.

Kontakt

Dr. Veronika Ederer, Freiberufliche Ethnologin, Auf der Schießmauer 26, 61250 Usingen, Tel. 06081 – 447031, veronika.ederer@web.de

Dr. Sabine Klocke-Daffa, Professurvertretung, Eberhard Karls Universität Tübingen, Asien-Orient-Institut/ Abteilung Ethnologie, Schloss Hohentübingen, 72070  Tübingen, Tel. 07071-29-78539, sabine.klocke-daffa@ethno.uni-tuebingen.de

 

Termin / Raum

Donnerstag, 01.10.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr / Raum 0.254 (Hauptgebäude)

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Sabine Klocke-Daffa (Tübingen/Münster): Ethnologie für die Praxis – Ergebnisse eines Modellprojektes

Christian Johannsmann und Stefan Müller-Mathis (Heidelberg): Kooperative und multiplikatorische Bildungsarbeit: Ein ethnologisch-pädagogisches Tandem für Ethnologie- und Lehramtsstudierende

Gerhard Henke-Bockschatz (Frankfurt): Interkulturalität im Geschichtsunterricht

Ursula Bertels (Münster): Perspektiven im Interkulturellen Management. Ein Erfahrungsbericht

Frank Bliss (Remagen/Hamburg): Anforderungen an eine praxisorientierte Ethnologie aus Perspektive der Entwicklungszusammenarbeit