Workshop 02

Aneignungsprozesse und Abgrenzungsstrategien in urbanen Kontexten

Die zunehmende kulturelle Diversifizierung in Städten wird auf unterschiedliche Weise verhandelt. Einerseits werden „Kultur“ und kulturelle Diversität mit Kreativität und Kosmopolitismus assoziiert und fungieren zunehmend als wichtige Merkmale der städtischen Profilbildung und Prosperität, andererseits werden sie auch als Problemfelder wahrgenommen. Dabei ist zu beobachten, dass verschiedene Strategien verfolgt werden, um kulturelle Diversität erfolgreich zu „managen“ und zu vermarkten. Diese reichen von historischen Inszenierungen, Festivals und Musealisierungen der Innenstädte bis hin zu Dienstleistungsangeboten für Migranten und Migrantinnen. Die Fokussierung auf „Kultur“ als Potenzial und die damit einhergehenden politischen Maßnahmen zeigen jedoch auch unerwartete Nebeneffekte. So findet beispielsweise auch eine Belebung sogenannter „alternativer“ Kulturen statt, die sich ebenfalls im öffentlichen Raum manifestieren, diesen aber nach eigenen Vorstellungen nutzen und häufig die dominanten Repräsentationsformen unterlaufen oder umdeuten. Von besonderer Relevanz ist hier die Frage, wie sich die Inszenierung von kulturellen Symbolen und Repräsentationen auf die Alltagswelten der Stadtbewohner und -bewohnerinnen auswirken und welche konkurrierenden Ideen von Moderne, urbaner Identität und öffentlichem Raum dabei offenbar werden.

Vor dem Hintergrund der urbanen Kulturalisierung, die ein globales Phänomen darstellt, soll in diesem Workshop aufgezeigt werden, wie sich diese Prozesse in spezifischen Städten vollziehen und auf der lokalen Ebene verhandelt werden. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach der Aneignung und Adaption kultureller Symbole und deren Wirkungen auf die Stadtbewohner und -bewohnerinnen. Der Workshop untersucht aber auch die Ambivalenzen dieser facettenreichen Thematik und betrachtet die vielfältigen Formen von Überschneidungs- und Aneignungsprozessen, aber auch von Segregationsbestrebungen und Abgrenzungen in pluri-kulturellen urbanen Kontexten. Ziel des Workshops ist es auch, mit ethnographischen Methoden grundlegende Einsichten zum Thema Diversität in Städten zu gewinnen und dabei sowohl die politische Ebene als auch die Alltagswelt und alltäglichen Interaktionsmuster der Stadtbewohner vor dem Hintergrund wachsender kultureller Differenzierung zu erschließen.

Kontakt

Eveline Dürr (München), Eveline.Duerr@lmu.de
Volker Gottowik (Frankfurt am Main), gottowik@em.uni-frankfurt.de

 

Termin / Raum

Donnerstag, 01.10.2009, 15.00 bis 16.45 Uhr / Raum 411 (Hauptgebäude)

 

Vorträge inkl. Abstracts als pdf

Eveline Dürr (München) und Volker Gottowik (Frankfurt a.M.): "Einführung in die Thematik"

Andrea Blumtritt (Berlin): "¡Jallalla Pachamama! - Urbane Wiederaneignungsprozesse in den bolivianischen Migrationszentren La Paz und El Alto"

Gabriel Klaeger (London): "Blutopfer zur Rush Hour: Fordernde Gottheiten, traditionelle Autoritäten und die Verhandlung von Multireligiosität in Accra (Ghana)"

Akosua Adomako Ampofo (Legon/Accra): "’Naughty girl’: a new female sexuality in Ghanaian music?"